Lebenslauf

Lebenslauf + Informationsbericht
1881
Ungarn
PARABUC
Ich wurde am 06.02.1881 in Parabuc, in der Batschka in Ungarn geboren. (Die Batschka wurde nach dem I. Weltkrieg Jugoslawien zugeteilt, somit wurde ich zwangsläufig jugoslawischer Angehöriger).
1887
Kroatien
VUKOWAR
Mit 6 Jahren kam ich nach Vukowar. Die Bevölkerung der Stadt setzte sich zumeist aus Serbo—Kroaten zusammen. Hier besuchte ich die Kroatische Volksschule und erlernte auch den Raseurberuf. Das Gehilfen—Arbeitsbuch wurde von der dortigen Behörde am 15.09.1896 ausgestellt.
1898-1900
Ungarn
BUDAPEST
Von 1898 – 1900 hier berufstätig gewesen. Besuchte die Fachschule und errang bei den Schlussfrisieren den I. Preis in der Eisenwellung.
1901-1902
Österreich & Tschechien
WIEN & KARLSBAD
Nach über einjähriger Gehilfentätigkeit in Wien, nahm ich einen Posten in Karlsbad an. War im Salon des Herrn Mzick, im Hause Göttingen, in der Bahnhofstraße, vom 11.10.1901 – 1902 tätig. Herr Mzick, ein Tscheche war ein Weltmann und hatte viele Jahre in England gearbeitet. Er war es, der mich veranlasste in die Welt zu gehen und meine fachlichen Fähigkeiten besser ausnützen zu können.
1902
Frankreich
NIZZA
Im Herbst 1902 kam ich nach Nizza und fand dort einen Posten in einem neu etablierten Geschäfte in der Rue de la Paix, bei einem Polen Namens Miskowsky. Besuchte hier die Fachschule und errang im Schlußfrisieren am 11.03.1903, als einziger Ausländer den I. Preis, die Medaille d ‚Or (goldene Medaille. Ich erlernte zugleich im Salon Miskowsky die französische und russische Sprache, da ein großer Teil der Kunden Russen und Polen waren.
1903
Frankreich & England
PARIS & LONDON
Die Sommersaison 1903 verbrachte ich in Paris und London, zu weiteren Studien meines Berufes.
1904
Tschechien
KARLSBAD
Die Sommersaison 1904 nahm ich eine Stelle bei Herrn Padua, am Markt an. Etablierung.
1904
Tschechien
GESCHÄFTSKAUF
Im Herbst 1904 erwarb ich käuflich das Raseurgeschäft im Hause Freischütz, an der Neuen Wiese, von Herrn Dietl in der Parkstraße.
1904-1905
Frankreich
NIZZA
Wintersaison 1904 – 05 war ich abermals im Salon Mikowsky und in der Fachschule als Aushilfslehrer tätig.
1905
Tschechien
KARLSBAD
In der Sommersaison 1905 wieder im eigenen Geschäft im Hause Freisch.
1905-1906
Frankreich
NIZZA
Bei der Wintersaison 1905 – 06 wieder im Salon Miskowsky und als Fachlehrer in der Berufsschule tätig.
1906
Frankreich
DIPLOM ALS PROFESSOR (DIPLOM DE PROFESSEUR)
Von der „Ecole Professionnelle des Chambre Syndicale Cuvrière des Coiffeurs des Nice“ wurde mir am 2. April 1906, das Diplom de Professeur in Anerkennung meiner dortigen fachlichen Tätigkeit verliehen.
1906
Tschechien
KARLSBAD
Im Jahre 1906 ließ ich mich endgültig in Karlsbad nieder. Der größte Teil meiner Kunden setzte sich aus Slaven zusammen. Der Karlsbader russische Geistliche war mein größter Gönner und Förderer. Der Herren Salon wurde mit der Zeit zu einem Damen—Salon umgestellt. Nur einzelne Kunden, darunter der russische Geistliche wurden im Damen—Salon weiter bedient.
1915
Ungarn
1. WELTKRIEG
Im Herbst 1915 wurde ich, obwohl ich kein Soldat war, zur Militärdienstleistung nach Ungarn eingezogen. Nach einer kurzen Ausbildung und Frontdienst kam ich im August 1916, in der Schlacht bei Zborow in russische Kriegsgefangenschaft. Bei der Gefangennahme meldete ich mich gleich in Zborow bei dem russischen Offizier und wurde daher zur Leitung des Raseur—Geschäftes in Podwoloczska der 45. Etappe und auch als Dolmetscher bestimmt.
1917
Ukraine
UMSTURZ IM AUSLAND 1917 – FLUCHT UND HEIMKEHR
Die 45. Etappe wurde tief in die Ukraine verlegt, wodurch eine Flucht in der Uniform eines Österreich.—ungarischen Kriegsgefangenen erschwert wurde. Der Kommandant (selbst verfolgt) ermöglichte mir die Flucht zur Heimkehr, indem er mich mit einer russischen Uniform ausstattete. Am 31.01.1918 erreichte ich die österr.—ungar. Front, wo ich selbst als Heimkehrer mit offenem Bajonett empfangen wurde. Man steckte mich ins Gefängnis, wurde aber nach kurzem Aufenthalt in ein Quarantänelager gebracht.
1917
Ungarn
ERKRANKUNG
Infolge Überanstrengungen erkrankte ich ernstlich und verbrachte den mir gewährten Heimkehrurlaub im Feldspital. Anschließend kam ich wegen allgemeiner Körperschwäche in das Rekonvaleszenten Heim nach Fünfkirchen.
1918
Tschechien
ZUSAMMENBRUCH DER FRONT – ABERMALIGE FLUCHT
Da während meiner Militärdienstzeit sich ein anderer Kollege in meinem Geschäft eingenistet hatte, übernahm ich im Herbst 1918 die Geschäftsleitung des französischen Salons Lois, am Giselaplatz, des ersten Damenfrisiersalons in Budapest. Der Besitzer selbst war zur Militärdienstleistung, nach Einrücken der Franzosen in dem Weltkrieg, in Budapest einberufen worden.
Bei Ausbruch des Kommunismus in Budapest legte ich als Leiter des französischen Salons Lois, einen Protest gegen die Kommunisierung französischen Besitzes ein. Die Folge ? In einer Sitzung der Kommunisten wurde beschlossen mich zu beseitigen. Ich wurde gewarnt und flüchtete mit großen Hindernissen über die österr.— ungarische und tschechische Grenze.
1918
Österreich & Tschechien
HEIMKEHR IN DIE TSCHECHOSLOWAKEI
Bei der Heimkehr nach Karlsbad musste ich feststellen, dass die Einreise erschwert ist. Die Gesandtschaft selbst war Tag und Nacht von Einlaß begehrenden belagert. Nach 8 Tagen Aufenthalt in Wien kam ich mit dem Karlsbader Arzt Dr. Komaromy, welcher einen Studienkameraden aus Kaschau in der Gesandtschaft hatte, zurück, und es wurde mir ein Durchlass—Schein in die Gesandtschaft, und später zur Einreise ein Interims pass ausgestellt. Der Herr in der Gesandtschaft war selbst längere Jahre in Sarajevo und sprach ausgezeichnet serbisch.
1919
Tschechien
AUFNAHME IN DEN TSCHECHISCHEN STAATSVERBAND
In Karlsbad bemühte ich mich gleich aus dem jugoslawischen Staatsverband entlassen, und in tschechischen Staatsverband aufgenommen zu werden. (26.11.1919). Die Zemskà spràva politicà v Praze. Z 5/ B 2601/3 ai 1919 (26. 583 ai 1921) – dat. Prag am 09. Juli 1921 gab die Zusicherung zur Aufnahme. Meine eingesandten Dokumente nach Belgrad sind in Verlust geraten, und erhielt ich seitens des Ministeriums des Inneren in Belgrad das Entlassungszeugnis aus dem jugoslawischen Staatverband unter Zahl 33983 vom 21.11.1925. Die Aufnahme in den tschechischen Staatsverband erstreckte sich auch auf meine Ehegattin Frau Anna Mayer geb. Liehmann, geb. am 23. 10.1879 und auf die Kinder Gerda, geb. am 27.09.1906 Oskar, geb. am 02.09.1909. Reinhold, geb. am 06.01.1916 und Charlotte, geb. am 25.03.1919, über welche ich laut einer Zuschrift der Zemskà spravàpoliticà v Praze vom 24.11.1926 Nr. 454.093 ai 1926 zugesprochen unter 5/B 2387/ ai 26.
1927
Tschechien
AUFNAHME DEN HEIMATVERBAND DER STADT KARLSBAD
Die Aufnahme erfolgte laut Zuschrift des Stadtrates von Karlsbad am 01.02.1927 unter Nr. 11/346/9/ B.
1923 – 1924
Tschechien
MEINE SCHÖPFUNG DER HAARDAUERWELLE
Eine naturgetreue Realistic—Welle auf elektrischen Wege zu erreichen, erforderte eine rastlose Studie. Erst nach 15-jährigen Studium von 1909 an, gelang es mir nach rastloser Arbeit, in den Wintermonaten 1923/24, das Problem eine Naturwelle durch Dauerwellung von A — Z zu lösen. Diese Errungenschaft in unserem Berufe die Aufmerksamkeit aller Berufskameraden in der Welt, wo meine Haardauerwe11en—Methode zum Weltsystem wurde. Dies hatte eine neue Einnahmequelle zur Folge und eine ganz gewaltige Entwicklung einer neuen Industrie in allen Staaten der Welt. Um die Natürlichkeit der künstlichen Welle zu dokumentieren, und allen Berufsangehörigen im Ausland verständlicher Formnäherzubringen, wählte ich den Namen „Realistic“, und habe diesen Namen international schützen lassen. In Amerika unter Nr. 215.301.
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Tschechien
EHRUNGEN
Da meine Errungenschaft zu einem Weltsystem geworden ist, wurde ich in verschiedenen Landesverbänden des In— und Auslandes zum Ehrenmitglied der Berufsverbände ernannt, und bei der Besprechung der Welle in Anerkennung der Leistung, da man Berufsangehöriger ist, unser „Mayer genannt. Akademie Dàmskych Kaderniku v Praze, Cinnym und Ehrenmitglied.
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Tschechien
HERANBILDUNG VON SCHÜLERN
Dieser neue Berufszweig musste zuallererst den Berufsangehörigen angelernt werden. Zu diesem Zwecke habe ich in meinem ehemaligen Frisiersalon im Hause Leopard, auf der Alten Wiese, im I. Stock, Fachkurse für Meister und Gehilfen bis spät in die Nacht gegeben. Die späte Nacht bei vollbeleuchtetem Salon erregte auch die Aufmerksamkeit der in Karlsbad anwesenden Kurgäste. Dies hatte wieder zur Folge, das mitunter eine vollkommene Verkehrsstauung vor dem Geschäfte war. Die Kurgäste ihrerseits waren es, welche mit beitrugen, in der Welt mein System in der Haardauerwellung zu verbreiten.
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Tschechien
INTERNATIONALE HAARDAUERWELLEN & WETTBEWERBE
Es erwies sich, dass es nicht genügt, Instrukteure in die einzelnen Länder und Staaten zu schicken, es zeigte sich die Notwendigkeit, Haardauerwellen—Wettbewerbe in Karlsbad zu veranstalten, um an- Ort und Stelle durch Vorträge und Demonstrationen Fehlerquellen welche begangen wurden, auszuschalten. In den internationalen Wettbewerben, welche nicht nur in den Fachpressen, sondern auch in den Tagespressen besprochen wurden, waren auch mit dem Karlsbad verbunden.
Dies brachte mich auf den Gedanken, ein internationales Kurheim für Berufsangehörige in Karlsbad zu errichten. Bei einem Wettbewerb für 120 Teilnehmer, wurde die Ausstattung des Kursaales in Karlsbad, zu einem geschlossenen und kompletten Haardauerwellen-Salon, mit 60 Dauerwellen-Apparaten und 60 stelliger Zentraltrockenanlage, von allen anwesenden internationalen Kollegen als „einzig“ bezeichnet.
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Tschechien
INTERNATIONALES KURHEIM FÜR FRISEURE IN KARLSBAD, OHNE UNTERSCHIED DER NATIONALITÄT UND RELIGION
Ich habe mich bezüglich eines Kurheimes mit dem Herrn Dr.Wotawà ehemaligen Polizei—Präsidenten in Verbindung gesetzt, und diesen um Rat gebeten, auf welcher Grundlage man am besten einen Fond zu Errichtung eines internationalen Kurheimes durch Sammlung errichten könnte. Herr Dr. Wotawà empfahl mir einen Club zu gründen, z.B. die Vereinigung der Mayer-Realistic-Haardauerweller, damit mit der Gründung des Clubs eine Körperschaft da ist, im Falle irgendein Nachlass zu Gunsten obengenannten Kurheimes erfolgen sollte. Den Rat des Herrn W. habe ich befolgt, den Club gegründet und angemeldet, wo auch in kürze die Statuten genehmigt wurden. Auf meinen In— und Auslandsgeschäfts—Reisen habe ich zu Gunsten des Kurheimes gesammelt, und die gesammelten Beträge von mir danach verdoppelt.
Als Mitglied dieser o.a. Gesellschaft (22 Länder), habe ich auch auf den Jahrestagungen, wo die Tagung jedes Jahr in einem anderen Lande war, auch in diesen Hauptstädten gesammelt.
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Tschechien
WERTBESTÄNDIGE GELDANLAGE
Im Laufe der Zeit stellten sich die gesammelten Beträge auf über 40.000 Kronen. Um das Geld wertbeständig anzulegen, habe ich in Gottesgab ein Grundstück über 9000 qm angekauft, welches direkt neben dem tschechischen Zollamt gelegen war. Dieses Grundstück wurde mit einer Erdbewegung von 2490 qm zu einem Sportplatz versehen. Anschließend an das Grundstück des Realistic—Clubs, errichtete ich aus eigenen Mitteln eine Baude, welche in erster Linie erholungsbedürftigen Berufskollegen dienen sollte. Die Handels— und Gewerbekammer in Eger unterstützte mich insofern, als sie bei der Landesbehörde in Prag wegen der Erteilung eines Gastgewerbe— und Hotel-Konzession eingab, um auch für das notleidente Erzgebirge intensiv werben zu können. Gottesgab selbst, die höchst— gelegene Stadt in Mitteleuropa lag 1028 m ü.d.M. ein wahres Paradies für Skifreunde.
1927
Tschechien
HOHE BESUCHE BEI DEM III. INTERNATIONALEN WETTBEWERB DER HAARDAUERWELLUNG IN KARLSBAD
Eines Tages kam eine Dame in meinem Salon im Hause Leopard, und stellte sich in der englischen Sprache vor, als Gemahlin des Herrn Legationsrates Dr. Jan Masaryk, Gesandten in London. Die Dame sprach ihre Anerkennung dahingehend aus, dass es sie außergewöhnlich freut, dass eine tschechoslowakische Errungenschaft in London einen derartigen Anklang bei den englischen Berufsangehörigen findet.
Lady Masaryk weist darauf hin, dass sie schon des Öfteren mit meinem System zu vollster Zufriedenheit die Haardauerwellung bekam. Zu dem Wettbewerb 1927, welcher wie immer im Kurhaus stattfand, habe ich mir erlaubt in Anbetracht der Anerkennung, wo uns der Herr Präsident und Befreier Masaryk im Geschäfte durch seinen Besuch auszeichnete, den gleichen Herrn Legationsrat Dr. Jan Masaryk zum Besuch des Wettbewerbs einzuladen.
Der englische Gesandte Dr. Jan Masaryk erschien auch zu dem Wettbewerb mit seiner Gemahlin, und interessierten sich lebhaft über die ganze Veranstaltung und Arbeit. Die anwesenden tschechischen Kollegen aus Prag waren sehr erfreut über den Besuch, und Legationsrat Dr. Jan Masaryk hat sich lebhaft und lange mit dem Präsidenten der Akademie Dàmskych Kaderniku Herrn Karel Kubak unterhalten.
Bei einem erneuten Besuch der Lady Masaryk in Karlsbad wurde mir die hohe Ehre zu Teil, mit der Dame, die in der Zwischenzeit in der Schweiz und Amerika war, in der französischen Sprache zu korrespondieren. Lady Masaryk bekundete ihr Wohlwollen über mein Unternehmen, bei dem Besuch am 25.05.1930 im Realistic—Werk. Bei dieser Gelegenheit zeigte ich auch die neu-ausgestattete Odd Fellow Geothe Loge, und sie sprach sich sehr lobend darüber aus. (Siehe Berichterstattung aus dem Realistic—Boten. Posel—Messenger vom 30. Juni 1930, Seite 26).
1927
Tschechien
KÖNIGIN „MARIE“
Ihre Majestät, die serbische Königin, welche in Belgrad, und die Königinmutter von Rumänien in Bukarest, mit meinem System des öfteren ihr Haar dauergewellt wurden, beehrte mich mit ihrem Besuch während ihres Kuranwesenheit in Karlsbad im Jahre 1932, in meinem Geschäfte, im Hause Grillparzer. Ihre Majestät drückte ihre vollste Anerkennung dahingehend aus, das es einen Jugoslawen gelang, die Haardauerwelle in eine Naturwelle durch Kunstfertigkeit zu erreichen. Ihre Majestät sagte wörtlich, dass es sie außerordentlich freut, dass diese jugoslawische Errungenschaft eine Weltverbreitung fand.
Ihre Majestät wurde von meinem Neffen J. Duhatscheck dauergewellt. Bei dieser Gelegenheit äußerte ihre Majestät den Wunsch sich einmal den Betrieb anschauen zu können. Ich war hocherfreut über diese Auszeichnung. Am 24.11.1932 stattete ihre Majestät einen offiziellen Besuch im Betriebe ab, und wurde von ihrem Hotel Loib bis zu dem Betrieb (ca. 3 km), von Wachmanschaften in Festkleidung in kurzen Abständen gesichert. Herr Dr. Wotawà und Herr Nemecek sowie der gegenwertige Velitel Wechta der Staatspolizei im Hause Syrius, waren bei dem Besuch bei mir anwesend.
Ihre Majestät zeigte das größte Interesse für die einzelnen Bestandteile wie Schützer und Wickler, welche für die Haardauerwelle unerlässlich sind. Im Gedenkbuch schrieb sich Ihre Majestät nur mit dem Namen „Marie“ – 24.11.1932 ein. Nachdem Ihre Majestät den Betrieb verlassen hatte, gratulierte mir Herr Wotawà und Nemecek für den hohen Besuch mit welcher mich Ihre Majestät auszeichnete. /Stavebeni ùrad HL. Mesta Prahy, Odbor 15 (Strojni) Praha 1—957 (Univ— Tisch).
–
Tschechien
UNIVERSAL – ARBEITSTISCH
Die tschechischen Fachlehrer in Prag machten mich darauf aufmerksam, dass in Zizkov eine Fachschule erbaut werden soll, und ersuchten mich bei der Einrichtung der Schule ihnen behilflich zu sein.
Ich legte meinen ganzen Ehrgeiz hinein und befasste mich mit dem Gedanken einen Universal—Schultisch zu konstruieren, sowie eines verstellbaren Waschbeckens (in Höhe und Tiefe). Dass die neue Fachschule einzigartig in ihrer Vollkommenheit ausgestattet wird, sodass wenn Besuche vom Ausland in die Tschechoslowakei kommen, die hohe Stufe welche unser Beruf in der Tschechoslowakei einnimmt, kennenzu1ernen. Ich konstruierte einen Universal-Arbeitstisch, welcher an sich verstellbar und unterbringbar beinhaltet. Spiegel, Haararbeitsständer, Hecheln-, Kartetschen, Tresierrahmen, alles ohne den üblichen Klammerschrauben anbringbar. Den Muster—Arbeitstisch habe ich in Holz gearbeitet. Mein Angebot wurde nicht angenommen und einer anderen Firma in Prag diese Einrichtung vergeben. Ich kann aber mit Freude und Genugtuung feststellen, dass meine Anregung doch insofern auf fruchtbaren Boden gefallen ist, indem die Einrichtung des Schultisches nicht in Holz, sondern in Metall von einer anderen Firma ausgeführt wurde.
Bei der 10—Jahres—Feier der Prager Akademie der Damen—Friseure, erregten die verstellbaren Waschbecken bei der Ausstellung großes Aufsehen. Bei der Frühjahrsveranstaltung in Berlin wurde der Arbeitstisch als Clou der Ausstellung bezeichnet.
1938
Norwegen
OSLO
Zu der 100— Jahresfeier des dortigen Gewerbes, welches im August 1938 stattfand, erhielt ich die Einladung die Veranstaltung zu besuchen. Ich entschloss mich das verstellbare Waschbecken dort selbst auszustellen. Dieses‘ erregte dort ebenfalls die größte Aufmerksamkeit und wurde in den Fach— und Tagespressen eingehend besprochen. Es bestand die Aussicht dieses Waschbecken in großen Mengen exportieren zu können. (Leider kam aber der II. Weltkrieg dazwischen).
1938
Frankreich
OLYMPISCHE KRONE DER ARBEIT (WELTAUSSTELLUNG 1937 in PARIS)
Mezi nàrodni spolecnost Dàmskych Kaderniku. Ssekce Ceskoslovensko.
Die I.G.D.C. besteht in 22 Ländern. Die belgische Expositions Nationales du Travail, deren Ziel die Aufrechterhaltung, Förderung und Entwicklung der Qualitätsarbeiten auf allen Gebieten nationalen Schaffens ist, beschloss die Zuteilung einer olympischen Krone der Arbeit, an einen Damenfriseur zu verleihen. Die Austragung des Wettbewerbs soll anlässlich der Weltausstellung Paris 1937, wo gleichzeitig die Tagung der Internationalen stattfand, zusammen ausgetragen werden. Dieses Weltgremium schlug den Kollegen Rambaud (Paris), Mayer (Karlsbad) und Müller (Hamburg) vor. Die Olympische Krone erhielt mit 2 Stimmen Mehrheit (von Frankreich u. Belgien), Kollege Rambaud aus Paris. Der tschechische und deutsche Landesverband der Friseure, sowie die Sektion der I.G.D.C nominierten mich einstimmig als Kandidat zu o.a. Wettbewerb. Von den 22. Ländern wurden 3 Kandidaten nominiert: 1 Franzose, 1 Deutscher und 1 Tschechoslowake.
Auf Anregung des Kollegen H.Heeberger (Wien) und Brandtmöller (Kopenhagen wurde die Sektion Tschechoslowakei der I.G.D.C. im Jahr 1926 gegründet.
1938
Frankreich
OLYMPISCHE KRONE DER ARBEIT (WELTAUSSTELLUNG 1937 in PARIS)
Mezi nàrodni spolecnost Dàmskych Kaderniku. Ssekce Ceskoslovensko.
Die I.G.D.C. besteht in 22 Ländern. Die belgische Expositions Nationales du Travail, deren Ziel die Aufrechterhaltung, Förderung und Entwicklung der Qualitätsarbeiten auf allen Gebieten nationalen Schaffens ist, beschloss die Zuteilung einer olympischen Krone der Arbeit, an einen Damenfriseur zu verleihen. Die Austragung des Wettbewerbs soll anlässlich der Weltausstellung Paris 1937, wo gleichzeitig die Tagung der Internationalen stattfand, zusammen ausgetragen werden. Dieses Weltgremium schlug den Kollegen Rambaud (Paris), Mayer (Karlsbad) und Müller (Hamburg) vor. Die Olympische Krone erhielt mit 2 Stimmen Mehrheit (von Frankreich u. Belgien), Kollege Rambaud aus Paris. Der tschechische und deutsche Landesverband der Friseure, sowie die Sektion der I.G.D.C nominierten mich einstimmig als Kandidat zu o.a. Wettbewerb. Von den 22. Ländern wurden 3 Kandidaten nominiert: 1 Franzose, 1 Deutscher und 1 Tschechoslowake.
Auf Anregung des Kollegen H.Heeberger (Wien) und Brandtmöller (Kopenhagen wurde die Sektion Tschechoslowakei der I.G.D.C. im Jahr 1926 gegründet.
1938
Tschechien
MORDANSCHLAG (ATTENTAT)
In der Konzessionsfrage meiner Realistic—Baude in Gottesgab, kam ich in Berührung mit dem Bezirkshauptmann Dr. Vladimir Juranek aus Joachimstal, von der Landesbehörde in Prag. Dieser besuchte mich des Öfteren mit seiner Gemahlin in meiner Baude. Oft war auch gleichzeitig Herr L. Kacena dzt. II. Bürgermeister von Karlsbad anwesend.
Die tschechischen Fachvereinigungen welche nach Gottesgab zu Besuche kamen und sehr sangesfreudig waren, sangen beim tschechischen Zollamt und an der Grenze ihre Lieder. Das hatte zur Folge, dass mir von so mancher Seite Nachteile entstanden sind, indem an deren tschechischen Körperschaften durch Karlsbad und Gottesgab Stadt und Gegend aufklärend marschierte.
Am 05. Oktober 1938 war ich mit meiner Frau in der Baude in Gottesgab und wurde morgens zwischen 4- 5 Uhr vom Verwalter aufmerksam gemacht, dass unten ein bewaffneter SS—Mann sei und ich sofort das Auto zu der Deutschen Wehrmacht nach Gottesgab zu fahren habe. Der SS-Mann kam inzwischen selbst und ließ mir keine Zeit eine Hose anzuziehen. In den Beinkleidern musste ich in den Wagen, um diesen auf raschesten Wege nach Gottesgab zu bringen. Da der Wagen durch die Kälte nicht gleich ansprang, setzte mir der SS—Mann den Revolver an das Genick und sagte: Du tschechischer Schweinehund, gleich bekommst Du einen Genickschuss, wenn Du noch Sabotage treiben willst. Nachdem es mir endlich gelungen war den Wagen in Gang zu bringen, bemerkte ich beim Eingang der Garage, Armin Günther aus Gottesgab, welcher dann noch zu dem SS—Mann in den Wagen stieg.
Der Verwalter der Baude, Herr Emil Günther warf meinen Überzieher in den Wagen nach. In Gottesgab ankommend zeigte sich, dass die Angaben unrichtig waren. Man zwang mich bei ständiger Bedrohung mit dem Revolver, nach Joachimstal zu fahren. An der Kreuzung von Joachimstal – Abertham, kam der SS—Mann, welcher rückwärts saß, den Wagensitz überschreitend nach vorne, und setzte mir den Revolver an die Schläfe und versuchte mich aus dem Wagen zu zerren. Mit dem Hinweis Du tschechischer Schweinehund, Dir werde ich es schon beweisen. Es entspann sich ein Kampf auf Leben und Tod. Ich klammerte mich an das Lenkrad, und da der SS—Mann den Gang herausgeschlagen hatte, bewegte sich der Wagen nur langsam vorwärts. Man hatte die Absicht mich in dem Wagen umzubringen. Mit aller Anstrengung, an das Lenkrad klammernd, gelang es mir dies zu vermeiden. Armin Günther sprang aus dem Wagen und ihm folgte der SS—Mann. In diesem Kampf wurde inzwischen die Kurve überquert. Durch das Gefälle der Staatsstraße, und das Eigengewicht des Wagens, wurde der SS—Mann der vor der Wagentüre zu stehen kam, von dem Gewicht des Fahrzeugs nach vorn geschoben, und musste dadurch von dem Wagen loslassen, um nicht überfahren zu werden. (Die Wagentüre war mein Helfer und Rettung). Diese Sekunde benützte ich den Gang von neuem einzulegen, und den Kopf tief vorbeugend- (gegen Kopfschuss zu sichern), entkam ich dem Anschlag. Mein Überzieher ist bei dem Kampf aus dem Wagen herausgefallen, und wurde von Fußgängern später gefunden und zur Polizei bei Gottesgab gebracht. Durch den Schlüsselbund, welcher sich im Überzieher befand, erkannte man mein Eigentum und wurde mir in der Baude gemeldet. Man forschte nach und der SS-Mann konnte im Wald umherirrend gefunden werden. ich selbst brachte den Wagen gegen 6 Uhr früh nach Karlsbad. Da alle mir bekannten Polizeistellen gesperrt waren, konnte ich der Polizeibehörde erst um 8 Uhr den Vorfall melden. Man versprach mir, den SS-Mann welcher selbst um die 9. Stunde mit Armin Günther zur Gestapo gebracht wurde, exemplarisch zu bestrafen. Günther verteidigte sich dahingehend, dass er mich mit dem Bezirkshauptmann Dr. Juranek und anderen Tschechen des Öfteren gesehen hätte. – Es war gewissen Elementen bekannt, dass ich international eingestellt war, und auch eben sehr viel internationalen Besuch in Karlsbad sowie in Gottesgab hatte. Außerdem war ich der Gründer internationaler Vereinigungen und enthielt mich jeder politischen Tätigkeit. Dadurch hatte ich mir sehr viele Feinde zugezogen.
1938
Tschechien
BESCHLAGNAHME DES KURHEIMS-FOND
Das Grundstück vom Mayer-Realistic-Club in Gottesgab ist bei dem Einmarsch der Deutschen, von der Behörde beschlagnahmt worden. Dazu gehörte der Sportplatz, die Sporthütte und ein Barbetrag von 1 760, — RM. Das Grundstück ging in den Besitz der D.A.F. und die Stadtgemeinde Gottesgab hat dieses von der D.A.F. käuflich erworben.
1938
Tschechien
MITGLIED DER ODD FELLOW GOETHE LOGE
Es war bekannt, dass ich Mitglied der Odd Fellow — Loge war, ebenso dass ich hohe Besuche in meinem Betrieb und eine große Zahl der tschechischen Fachkörperschaften der Republik zu Besuch in Karlsbad hatte. Ich lebte daher in stetiger Angst zur Rechenschaft gezogen zu werden.
1938
Tschechien
ERPRESSUNGSVERSUCH
Josef Wirkner aus Lichtenstadt, war lange Jahre vor dem Einmarsch der Deutschen, bei mir im Betrieb als Werksleiter tätig. Er versuchte durch den Anschluss persönliche Vorteile für sich herauszuschlagen. Ende Dezember 1938, war ich durch verschiedene Vorkommnisse im Interesse des Betriebsfriedens gezwungen, das Dienstverhältnis mit Herrn Wirkner aufzulösen. Wirkner kam daher mit der Drohung, ich möchte die schriftlich erfolgte Kündigung zurücknehmen und ihm 50000 Kronen auszahlen, ansonsten er mich mit meiner Familie unbarmherzig in das Unglück stürzen würde. Das Ansinnen wurde von mir mit dem Bemerken abgelehnt, das nur Gangster sich loszukaufen pflegen. Wirkner informierte die D.A.F. das ich in einer Loge wäre und mit Juden und Tschechen paktiere. Ich wurde unter einem Vorwand zur D.A.F. vorgeladen und plötzlich erschien auch Wirkner dazu. Ich habe den D.A.F. – Funktionär wissen lassen, dass ich das Ansinnen Wirkners der Polizei informationshalber mitgeteilt hätte. Ich bekam zur Antwort, das nicht Wirkner sondern ich reif wäre der Gestapo übergeben zu werden.
1938
Tschechien
IN STETER ANGST LEBEND
Durch den Anschlag in Gottesgab, und der Drohung des Vertreters der D.A.F. lebte ich in ständiger Angst (da mir ein Bekannter im Vertrauen mitteilte, das ich u.z.v. geführt werde). Ich habe mich dem zu Folge ganz zurückgezogen und wie ein Einsiedler gelebt.
1938
Tschechien
VERNICHTUNG VON DOKUMENTEN
Das Aufliegen des Gästebuches im Betriebe, in welchem sich Lady Frances Crane Masaryk (Lichtbildaufnahme mit mir bei der Mühlbrunnen—Kolonade), und die vielen tschechischen Körperschaften ihre Anerkennung zum Ausdruck brachten, mußte ich leider das Bild mit der Unterschrift herausschneiden. Desgleichen der im Realistic-Boten-Posel-Messenger enthaltenen Artikel in tschechischer und deutscher Sprache, in dem festgebundenen Jahresheftbuch der Realistic—Fachzeitschrift. ich habe dessen ungeachtet des Gedenkbuches die ganze Kriegszeit über versteckt, und ein Exemplar des Realistic—Boten unter alten Zeitschriften.
1943
Tschechien
ENTEIGNUNGSVERSUCH MEINES BETRIEBES
Die Firma Feinbau GmbH in Oberursel im Taunus, mit welcher ich durch das Rüstungskommando eine Produktions-Gemeinschaft im Filterbau eingehen musste, setzte mir als Werksleiter im Herbst 1943, einen alten fanatischen Parteiangehörigen ein. Dessen Arbeit, Zweck und Ziel war es mir meinen Betrieb zu enteignen. Walter Gimpel aus Bad-Homburg, SA-Sturmführer, setzte sich mit dem Lohnbuchhalter Werner Mölöcke in Verbindung und alle Büroschubladen usw. wurden durchsucht, um ein geeignetes Material gegen mich zu finden. Von fand von der Goethe-Loge eine Gratulation zu meinem 50. Geburtstage. Mit diesem Beleg ist Gimbel zu der SA und zeigte dort selbst von Frankfurt (Main) mitgebrachten Staatsanzeiger, dass das Vermögen einer gewissen Rachel Mayer beschlagnahmt wurde, und ich ein Jude, resp. Jüdischer bin, da ich doch auch im Betriebe vor dem Anschluss Juden in der Kanzlei beschäftigte. Gimpel wies weiter darauf hin, dass ich antinazistisch eingestellt wäre. Die zwei Freunde bei der Rollenverteilung der zukünftigen Betriebsführung, kamen sich in die Haare, und so erfuhr ich durch Mölöcke selbst von dem Intrigenspiel.
–
Tschechien
KEINE PARTEIZUGEHÖRIGKEIT
Ist es nötig zu bemerken, dass ich niemals auch nur mit einer Partei sympathisierte, geschweige mich zum Parteieintritt Verleitungen mit Widerstand entgegensetzte. Als Weltmann, war und bin ich antinazischtisch eingestellt. Ich war stets ein Feind des Feldwebel—Regimes. Habe stets, wo ich nur konnte, direkt und indirekt gegen den Nazismus gearbeitet, das auch durch indirekte Sabotage, welches meine langjährigen Gefolgschaftsmitglieder Herr Ladislaus Fabik (alter Kommunist, seit 17. Jahren), und Herr Wenzel Reinl (alter Sozialdemokrat, seit 14. Jahren), in meinem Betriebe bestätigen können, Fabig und Reinl sind, was sich ja durch die Einstellung ergibt ebenfalls Antifazisten und Nazisten.
–
Tschechien
KEINE PARTEIZUGEHÖRIGKEIT
Ist es nötig zu bemerken, dass ich niemals auch nur mit einer Partei sympathisierte, geschweige mich zum Parteieintritt Verleitungen mit Widerstand entgegensetzte. Als Weltmann, war und bin ich antinazischtisch eingestellt. Ich war stets ein Feind des Feldwebel—Regimes. Habe stets, wo ich nur konnte, direkt und indirekt gegen den Nazismus gearbeitet, das auch durch indirekte Sabotage, welches meine langjährigen Gefolgschaftsmitglieder Herr Ladislaus Fabik (alter Kommunist, seit 17. Jahren), und Herr Wenzel Reinl (alter Sozialdemokrat, seit 14. Jahren), in meinem Betriebe bestätigen können, Fabig und Reinl sind, was sich ja durch die Einstellung ergibt ebenfalls Antifazisten und Nazisten.
–
Tschechien
KONZENTRATIONSLAGER NEU ROHLAU
Die Faudi GmbH in Oberursel, wurde zu einer weiteren Verlagerung gezwungen. Die in meinem Betriebe erzeugten Filterscheiben, sollten nach Neu Rohlau verlegt werden, und mein Betrieb durch Um— und Zubauten gewaltig vergrößert werden, Über 100 Arbeiter (Kriegsgefangene) und über 30 Drehbänke usw. sollten untergebracht werden. Ich habe als Besitzer des Betriebes dagegen Einspruch erhoben, und somit war die Firma gezwungen in eine verkehrstechnisch minder günstige Stadt nach Weipert zu verlegen. (Filterbau Weip.)
–
Tschechien
ABGABE MEINES TSCHECHISCHEN REISEPASSES / UMSTURZ
Nach dem Einmarsch und Anschluss Karlsbads an das Reich, mußte ich mir zwecks Geschäftsreisen, auch für das Ausland einen neuen Pass erwerben. Man erklärte mir bei der Polizeibehörde, dass ich wenn auch in Jugoslawien geboren, automatisch da ich schon so lange in Karlsbad wohne und ansässig bin, durch den Anschluss reichsdeutscher Staatsbürger geworden bin, und man zog meinen tschechischen Pass ein. Bei der letzten stattgefundenen Polizei—Anmeldung, habe ich meine Nationalität—Empfindung wahrheitsgemäß als Jugoslawe angegeben, in der Annahme, dass dieses Bekenntnis keine Zwangsoptierung für Jugoslawien ist, und in Kürze wieder für die alten treuen Staatsbürger der Tschechoslowakei eine Optierungsmöglichkeit zu erwarten ist.
1945
Tschechien
KRIEGSENDE 1945 + BESCHLAGNAHME DES BESITZES
Durch ein Dekret (behördliche Verordnung), des Herrn Präsidenten Benesch, wurde jeglicher Besitz ohne Ausnahme, im ehemaligen besetzten Gebiete (Sudetenland) beschlagnahmt.
1945
Tschechien
POLITISCHE UNANTASTBARKEIT
Durch meine politische Unantastbarkeit wurde einem das Los erspart, aus dem Lande vertrieben zu werden. Als Fachberater wurde ich im eigenen Betrieb zurückgehalten.
1945
Tschechien
NATIONALVERWALTER WECHSEL
Im Juli 1945 erschien im Betrieb Herr Rudolf Sulc aus Prag, begleitet von 4 Gendarmen. Er wies darauf hin, dass er das richtige Dekret als Nationalverwalter des Realistic—Betriebes habe und er zwang den ersten Verwalter, Herrn Adolf Kloub aus Prag, die Bücher und die Kasse zu übergeben und den Betrieb sofort zu verlassen.
1945 – 1946
Tschechien
WIE ES GEMACHT WIRD!
Um in den Besitz des Betriebes zu kommen, beschuldigte mich der 2. Nationalverwalter einer Geldentnahme aus der Betriebskasse laut Büchernachweis. Eine politische Handhabe zur Beseitigung hatte man ja nicht. Lange vor Antritt eines Nationalverwalters, entnahm ich einen Betrag von 5500 RM aus der Betriebskasse, welche ich aus Sicherheitsgründen bei der Sparkasse anlegte. Herr Sulc brachte mich zur Polizei und übergab mich dem Gericht. 4 1/2 Monate war ich in Untersuchungshaft, zuerst mit Schwerarbeiten und zuletzt als Gefängnisraseur beschäftigt. Mitte Februar 1946 wurde ich aus dem Gefängnis entlassen und bei der Hauptverhandlung in Eger am 17.05.1946 freigesprochen. Gleichzeitig wurde mir das Recht auf vollen Schadenersatz zugesprochen. Dies war jedoch nicht möglich, da mein Gegner Kommunistenführer der Stadt Äschern war.
1945 – 1946
Tschechien
RUSSISCHER STAB NAHM „ZUM ANDENKEN“ ALLES MIT
Während meiner Untersuchungshaft, beschlagnahmte ein russischer Stab die Villa Realistic (neben dem Hotel Imperial gelegen), im November 1945, man verweigerte meiner Frau mit meinen zwei kleinen Kindern, im damaligen Alter von 4 und 6 Jahren, den Zutritt und die Herausgabe der nötigsten Leibwäsche. Ende des Jahres verließ der Stab die Villa und nahm alles, aber auch wirklich alles „zum Andenken“ mit. Liebe Kollegen aus Amerika und England sorgten für die nötigste Ausstattung.
1946
Tschechien
BETRIEBSBERATER AUS GNADE
Am 01.03.1946 wurde ich wieder im Betriebe als Berater nominell aufgenommen. Der 4. Nationalverwalter beschäftigte mich mit den niedrigsten Arbeiten und verbot mir das Betreten des Werkes. Der 5. Nationalverwalter, ein wirklicher Fachmann und sprachenkundig beschäftigte mich als Lagerhaltergehilfen. Man überließ mir weiter in meiner Villa ein Zimmer mit Küche.
1946
Tschechien
INTERESSANTE VERGLEICHE
Der Nationalverwalter bezog ein Monatsgehalt von 14 000 Kronen, ich als Schöpfer und ehemaliger Besitzer der Realistic—Betriebe bekam mit meiner Familie 2 500 Kronen.
1946
Tschechien
BETRIEBSRETTUNGSVERSUCHE
Ich suchte wieder um die tschechische Staatsangehörigkeit nach, es wurde mir ohne Grundangabe abgelehnt. Der wahre Grund ist nicht schwer zu erraten. Der vorhandene Besitz und kein Zugehöriger einer linksstehenden Partei.
1946
Tschechien
STAATENLOSENBESCHEINIGUNG
Im Juli 1947 wurde mir von der Polizeidirektion wohlwollend eine Staatenlosenbescheinigung ausgestellt. Hierdurch erhielten wir in Bezug auf Zuteilung von Lebensmittelkarten die gleichen Rechte wie die Tschechen.
1948
Tschechien
UMSTURZ FEBRUAR 1948
Die gesamten politischen Ereignisse in der Tschechoslowakei überstürzten sich. Morde, Verhaftungen und Verschleppungen unter den Tschechen selbst waren an der Tagesordnung. Eine Unsicherheit herrschte, wie man sie sich nicht schlimmer vorstellen kann. Gegenseitige Bedrohungen, eine trostlose Zukunft, nicht auszudenken, was der Tag der Vergeltung bringen wird. Diesem allem zu entgehen und nicht als ehemaliger Besitzer der Realistic—Betriebe welche Nationalbetrieb wurden, abermals in ein Bergwerk zu kommen, oder verschleppt zu werden, zwangen mich die Umstände, zu flüchten. Mein Lebenswerk, meine alten Schwiegereltern in Brüx (damals um die 80Jahre), alles musste ich zurücklassen, und vor allem mein noch unvollendetes Sozialwerk, was ich am meisten bedauere.
–
Tschechien
FLÜCHTEN ! WOHIN ? WIE ? MIT DEN KLEINEN KINDERN !
Meine Kinder aus der ersten Ehe befanden sich in Deutschland, in der amerikanischen Zone. Ich sandte ihnen SOS—Rufe, und es gelang ihnen eine Zuzugsgenehmigung für uns zu besorgen.
1948
Deutschland
VERSUCH, LEGALEN ÜBERTRITTS
Ich sprach beim amerikanischen Konsulat vor und bat um einen legalen übertritt, mit Rücksicht darauf, dass ich selbst in Amerika eine neue Industrie befruchtete, und eine Straße in Cincinnati nach meiner Weltmarke benannt wurde: Realistic—Avenue. Ich erhielt einen positiven und einen negativen Bescheid, um die Tschechei nach 47. Jahren Aufenthalt verlassen zu können, wo ich Millionen zurückließ. Am 12. Oktober 1948 habe ich mit meiner Familie um 6 Uhr abends, bei Asch durch Waldgelände hindurch deutschen Boden betreten, aufatmend endlich frei zu sein.
1948
Deutschland
WEITERE FACHLICHE STUDIEN
INSGEHEIM habe ich mit meiner lieben Frau, die auch Berufsangehörige ist und zu Hause selbst 30. Jahre, teils bei ihrem Vater im eigenen Salon in Brüx und bei mir im Friseurberuf tätig war, weiter fachliche Studien daheim mit Erfolg durchqeführt. Die norwegischen Kollegen habe ich als erste davon unterrichtet.
1949
Norwegen
OSLO
Anläßlich der 100. Jahresfeier des dortigen Gewerbes im Jahre 1938 war ich im August damals in Oslo. Den Charakter und das Land habe ich schätzen gelernt, und es freut mich sehr, dass ich meine lieben norwegischen Kollegen, in erster Linie die letzte fachliche Errungenschaft, anlässlich der interskandinavischen Sitzung der I.G.D.C. welche vom 27.02. – 05.03.1949 stattfindet, und zu welcher ich eine Besuchseinladung bekam, vorführen zu können. Es ist in Betracht gezogen worden, diese bedeutsame Neuerung in Norwegen zu erzeugen.
1948
Deutschland
UNSERE NEUE BEHAUSUNG – OERLENBACH BEI BAD-KISSINGEN
Nach der Grenzüberschreitung (mit meinen beiden Kindern, Buben von 7 + 9 Jahren), bei Asch am 12.10.1948, und man einige 100 Meter mit Handgepäck marschierte, wurden wir wohlwollend von deutschen Wachorgangen empfangen, wir wurden an eine kleine Sammelstelle gewiesen, wo dank der Unterstützung der Wachorgane, das Handgepäck mit einem Wagen zu den deutschen Zollamte gebracht wurde, von wo das tschechische Zollamt nur zirka 25 Schritte gegenüber stand.
Nach der Einvernahme wurden wir mit den angesammelten Leidensgenossen, sogenannte Heimkehrer, dieselbe Nacht mittels eines Wagens nach Selb in das evangelische Hospiz untergebracht.
Den nächsten Morgen den 13.10.48 konnte man endlich freie Luft ein— atmen und besichtigte mit meiner Familie die Grenzstadt. Bei dieser Gelegenheit suchte ich ein Raseurgeschäft auf, um mich rasieren zu lassen. Dabei erfuhr ich auch durch einen Kunden auf welch tragische Weise unser Verbandsobmann der-Deutschen Friseure im Sudetengau, Herr Wenzel Leitner ums Leben kam.
Wir übersiedelten dann später zur Familie meiner ältesten Tochter Gerda Rothberger nach Bad—Kissingen, deren Mann schon früher bei mir im Betrieb als Prokurist tätig war. Später im Jahre 1938, war Wolfg. Rothberger damals als Stadtverordneter im Karlsbader Rathaus eingezogen und übernahm 1939 die Leitung der Kurverwaltung des bedeutendsten Weltbades Karlsbad.
Nach geraumer Zeit fanden wir in einer alten Schule, 9 km vor Bad-Kissingen eine provisorische Behausung, wo wir uns daweil niederlassen konnten.
Später bot sich Gelegenheit in einem Bauernhaus in Oerlenbach eine kleine Wohnung zu bekommen. Es waren zwar nur 2 Räume, ein Zimmer und Küche und Freitags sollte eingezogen werden. Der Einzugstermin am Freitag gefiel meiner Frau nicht so recht. Freitags zieht man nicht ein, meinte sie (ein alter Aberglaube). Gut man verschob es dann auf Samstag. Ja und was sollte ich dazu sagen, meine Frau behielt recht, Am Freitagabend brach bei dem Bauern wo wir einziehen sollten in der Scheune ein Brand aus, und das Feuer wäre fast auf das benachbarte Wohnhaus mit unseren neuen Behausung übergegriffen. Zum Glück wurde nur die Scheune vernichtet das Wohnhaus konnte gerettet werden.
1948
Deutschland
HOFFRISEUR MAYER & CO.
Die Behausung in Oerlenbach, im Hause der Bauersfamilie Kügel, Nr. 50 besteht aus einer Küche und Zimmer. In den Morgenstunden sendet die Sonne ihre Strahlen in das Küchenfenster, welches zum Hofe hinaus führt. Von diesem Fenster aus, hat man eine wohlriechende Aussicht auf den Misthaufen. Ansonst ist die Aussicht, nicht mit Brettern, sondern von der Mauer, der gegenüberliegenden Scheune verschlagen.
Die kleine Küche ist eine Universalraum (nach dem Motto: Raum ist in der kleinsten Hütte). Es war ein Frisiersalon, Kanzlei, Bastlerwerkstatt, Aufenthaltsraum, Wasch— und Kochküche, Kinderzimmer und vieles mehr. — Ein Fortschritt haben wir insofern zu buchen, indem die Ortseinwohner kamen, und sich bei dem Hauseigentümer erkundigten, wo der Hof—Friseur Mayer wohnt? Demzufolge nicht Friseur bei Hof, sondern Friseur im Hof.
1949
Deutschland
ÜBERSIEDLUNG NACH DARMSTADT (HESSEN) – MAYCO GMBH – UND DAS 25. JÄHRIGE JUBILÄUM DER MAYER REALISTIC DAUERWELLE
Das 25 jährige Jubiläum der Realistic-Welle im Oktober 1949, war in Europa, besonders aber in Amerika, für die Fach— und Tagespresse ein Anlass, dieser einschneidenden Neuerung, die die Probe wirklich bestanden hatte, zu gedenken. Bei dieser Gelegenheit wurde auch auf mein Schicksal hingewiesen. Ich musste den mir liebgewordenen Wirkungskreis in Karlsbad verlassen und fand ein Asyl im Westen. Wir übersiedelten von Oerlenbach nach Darmstadt, nachdem ich in Darmstadt in der Holzhofallee, mein neu gegründetes Unternehmen, die Firma “ M a y c o – Friseurbedarf – GmbH “ hatte.
1950
Deutschland
KONGRESS DER I.G.D.C. IN KÖLN
Auf dem Kongress der IGDC in Köln 1950 wurde ich zum Ehrenmitglied ernannt, und meine Firma erhielt bei der Bewertung der Neuerung durch mich eine goldene Medaille.
–
Deutschland
DIE MAYCO WIRD NACH KREFELD VERLEGT
1951
Deutschland
MEIN “ 70. GEBURTSTAG “ !
Am 06. Februar konnte ich meinen 70. Geburtstag feiern, und wurde von Fach— und Tagespresse beglückwünscht.
Presseauszüge: „Am 06.02.1951 begeht der Pionier des Friseurhandwerks, der Erfinder der Flachwicklung seinen 70. Geburtstag in bewunderungswürdig geistiger Frische. Aus allen Teilen der Welt werden an diesem Tage dem weit über die Grenzen seiner einstigen Heimat bekannten und geehrten Jubilar die herzlichsten Glückwünsche der großen Friseurfamilie zugehen, und ihm, dem Förderer unseres Berufes von neuem bestätigen, dass in der Geschichte des Friseurhandwerks sein Name für alle Zeiten eingegangen ist. Es sind jedoch nicht allein seine technischen Erfindungen und geschäftliche Erfolge, die Josef Mayers Weltruf begründet haben, seine Persönlichkeit zeichnet sich durch eine menschliche Güte und Schlichtheit des Wesens aus, mit der er sich eine Welt von Freunden schuf.„
1951
Deutschland
NOCHMALIGER UMZUG IN DARMSTADT
Nachdem der Besitzer des Hauses unserer Wohnung in Darmstadt, die Räume für seine eigenen Angestellten benötigte, wurde uns diese gekündigt (Landrat Becker). Die Wella in Darmstadt war uns bei der Suche nach einer neuen Wohnung behilflich und wir konnten Oktober 1951 von der Heinrichstraße 105, in die Dieburgerstraße, in ein ehemaliges Gestapogebäude Nr. 80 einziehen.
1952
Deutschland
SCHWERE ERKRANKUNG (GALLE- UND LEBERLEIDEN)
Bereits 14. Tage nach unseren Einzug in die neue Wohnung bekam ich hohes Fieber und mußte mich zu Bett legen. Anfang November wurde ich nochmals zur Wella gerufen, um einen Bruder des Direktor Megerle aus Amerika zu begrüßen. Trotz des hohen Fiebers kam ich der Bitte nach, zog mich an und fuhr in die Wella. Mein Krankheitszustand verschlechterte sich und musste das Krankenhaus aufsuchen. Wurde am 05. November 1951 in das Alice-Hospital in Darmstadt in der Dieburger Straße eingeliefert. War in meinem Leben nie ernsthaft krank und mir nun ein Galle Leberleiden zugezogen. Zu Weihnachten trat eine Besserung ein und bestand vielleicht Aussicht das Fest gemeinsam feiern zu können. Der Zustand verschlechterte sich danach wieder und Leberverhärtung trat ein. Die Leber kann auch nicht operiert werden. Am 04. Januar 1952 spürte ich beim Besuch meiner Frau mit meinen beiden Buben, Seppi und Wolfi, dass es wohl das letzte Mal ist, wo ich sie sehen werde und nahm beide Kinder an der Hand und sagte ihnen Auf Wiedersehen.
Am 05.01.1952 um 09:00 verstarb unser Vater.
Josef Mayer
Gründer von Mayer Realistic Karlsbad
Erfinder der Flachwicklung für die Dauerwelle
